Narrenpredigt 2026 zum Nachhören und Nachlesen

Ulrich Haberl als "Narrenpfaffe"
Bildrechte Petra Schmieder

"Der im Himmel wont, er lacht!" Das ist der Titel der Narrenpredigt, die Pfarrer Ulrich Haberl am Faschingssonntag in der Erlöserkirche gehalten hat. Die Hütte war voll, die Stimmung gut, Raum für Tränen und fürs Lachen. Die Narrenpredigt für viele ein heiteres und tiefgründiges Faschingserlebnis. Wer nicht dabei sein konnte, kann die Narrenpredigt nachhören oder -lesen. Viel Vergnügen!

Narrenpredigt 2026 zum Anhören:

 

 

 

Narrenpedigt zum Nachlesen:

Den Text der Predigt können Sie unten lesen oder auch als PDF hier herunterladen. Beim PDF mit dabei: das Evangelium in Reimform, das im Gottesdienst Corinna Müller-Boruttau vorgetragen hat, und das vom Narren gedichtete Lied nach der Predigt.

Ein Video vom Eingangsteil der Predigt findet sich auf der Internetseite von herrsching.online.

 

NARRENPREDIGT 2026

Der Narrenkönig

An alle Jecken ein „Helau“
Heut‘ gibt’s wieder die Faschings-Schau

die heißgeliebten frommen Gstanzel
frisch zelebriert hier von der Kanzel

vom Narrenpfaffen. Welch eine Glück
für euch! Er ist wieder zurück.

Nach einer Pause letztes Jahr
steh ich am Karnevalsaltar

zum fünften Mal, mach mich oben
zum Narr’n, damit die Jecken toben.

Aus Erling, Fischen und aus Bachern
kommt man und freut sich an den Lachern.

Aus Wörthsee, Inning, und Seefeld
den Metropolen unsrer Welt

strömen die Massen hier zusammen.
und lassen sich vom Narr´n entflammen

Er ist eine Faschingsikone.
Er trägt mit Stolz wie eine Krone,

die blaue Kappe auf dem Haupt.
Damit es jeder sieht und glaubt:

Der Narr, den ihr hier vorn erspäht,
er ist die Faschingsmajestät.

In seiner rechten Hand, da schleppt er
mit sich herum das Narrenzepter,

Die Klugen von euch merken schon.
Gern sprech‘ ich in dritter Person

von mir, im „Plural majestatis“.
Das ist Latein. Doch sag‘ ich gratis

den bildungsfern Sozialisierten,
die den Gedanken nicht kapierten:

Ich nutze für mich die Mehrzahl,
weil ich als einziger nun mal

in unserem Drei-Seen-Land
als Narr‘nkönig werd anerkannt.

Gnädig grüß ich euch von hier oben.
Ihr könnt mir huldigen, mich loben.

Wie schön, dass ihr mir applaudiert!
Ihr habt mich so inthronisiert

zum fünften Mal als Narrenkönig!
Tja, das ist gar nicht mal so wenig!

Manch andere, hör ich, bewerben
sich, um sich selber zu beerben,

am Ammersee bei einer Wahl
gerade erst zum vierten Mal.

Faschingszoll für Katholiken

Man munkelt, sogar Katholiken
die sonst vollkommen papsttreu ticken,

ließen sich heut beim Narren blicken,
um sich hier heimlich zu erquicken.

Die bitte ich, mal aufzusteh’n!
Hey Kathos, lasst euch doch mal seh‘n!

Ihr dürft hier sein! Ist das nicht toll?
Jedoch erheb´ ich Faschingszoll

für den Export von frischen Scherzen
in eure altgläubigen Herzen.

Fährt euch ein Schreck jetzt in die Glieder
dann setzt euch einfach wieder nieder

ihr Allerhöchstverehrtesten
auf euren Allerwertesten.

Dass ihr mir zuhör´n dürft, ist Gnade.
Da sollte euch kein Schein zu schade

sein, um dem Narren heut‘ zu danken
und seine Kassen aufzutanken.

Wenn ihr am Schluss nach Hause geht,
dann wisst ihr ja: Am Ausgang steht

ein Kästchen. Es wär‘ schön, man steckte
dort Kohle rein für die Kollekte.

Für Katholiken, die zum Lachen
hier sind, setz ich den siebenfachen

Tarif fest per Narrendekret.
Und, damit ihr mich recht versteht:

Die lieben Katholiken dürfen
nachher sogar noch Kaffee schlürfen

beim Kirch‘kaffee im großen Saal.
Vorausgesetzt: „Zahlungsmoral“!

Ich sag‘ es deutlich, wenn auch leise:
Auch dort zum siebenfachen Preise.

Herrsching wird protestantisch

Tja, meinem Freund, dem Dekan Rapp
geh‘n wohl ein paar Gläubige ab

heut´ in dem schönen Gotteshaus
dort drüben in St. Nikolaus.

Sein Tempel dort, sieht man es recht
gefällt mir gar nicht mal so schlecht.

St. Nikolaus ist deutlich größer
als unsre schnucklige Erlöser-

kirche. Auch würde mich sehr reizen:
Die Hütte ist gut zu beheizen.

Der Narr ist groß, die Kirche klein
und kalt. So kann das doch nicht sein!

Ne bumperlwarme richtig große
Kirche, das wär‘ mal `ne Chose.

Felsenfest ist drum mein Entschluss,
dass ich den Schuppen haben muss.

Für Auftritte mit Narren-Witzen
muss ich St. Nikolaus besitzen.

Ich werd‘ es mit dem Riesenhaufen
von Zolleinnahmen einfach kaufen.

Mit mir als Pfaffen, alter Falter,
beginnt dort ein gold‘nes Zeitalter.

Ist das nicht toll, total gigantisch!
Herrsching wird endlich protestantisch.

Zur Warnung! – Sollte  es so laufen:
Ihr Kathos woll‘t gar nicht verkaufen …

Dann kann ich den Einsatz von fiesen
Methoden nicht gänzlich ausschließen.

Ich könnte die Konfis aufhetzen,
die dann Sankt Nikolaus besetzen.

Ja, ihr hört recht: Tatsächlich droht,
ein Übernahme-Angebot,

das Dekan Rapp, der gute Mann
auf keinen Fall ablehnen kann.

Nur eine Parodie

Das klingt jetzt etwas mafiös.
Aber ich meine es nicht bös.

Ihr habt‘s bemerkt? Ich zeichne nur
als Narr eine Karikatur.

Der Spott zielt nicht auf unsre schöne
und freundschaftliche Ökumene.

Als Narr kopiere ich hier plump
den Stil von diesem Donald Trump.

Der kommt sich auch wie‘n König vor,
nur mit ganz anderem Humor.

Ich persifliere das Gehabe,
mit dem der selbstverliebte Knabe

täglich die Welt in Atem hält
und vor neue Abgründe stellt.

Der kleine König Ferdinand

Bevor wir uns den Typen geben:
Was Heiteres aus meinem Leben:

Denn grad‘ fällt mir mein Jüngster ein.
Heut‘ ist er groß, einst war er klein,

ein Bürschlein voller Fantasie,
kruder Ideen und Esprit.

Als wir ihn fragten: „Sag mal, Kleiner,
was willst du später denn für einer

mal werden. Was ist der Beruf
für den der liebe Gott dich schuf?“ …

Ja, ich erinnere mich noch:
Da baut sich der Drei-Käse-Hoch

just vor den Eltern auf mit Lust,
und sagt mit stolzgeschwellter Brust:

„Ich werde mal der Chef der Welt,
Ich weiß nicht, ob euch das gefällt

oder auch nicht. Es ist egal.
Denn, wenn ich groß bin erst einmal,

dann wird der Ferdinand für immer
in der Familie zum Bestimmer.

Und das nicht nur bei uns zuhaus‘!
Ich will nämlich ganz hoch hinaus.

Bin ich auch jetzt noch ziemlich klein,
später werd‘ ich der Welt-Boss sein.

Dann werden sämtliche Instanzen
nur noch nach meiner Pfeife tanzen.“

„Oho, das ist ja allerhand,
du wirst der ‚König Ferdinand‘!“,

so sagte ich glucksend und prustend
und bald darauf auch etwas hustend,

weil ich beim Kichern an der Spucke
mich leicht bisweilen mal verschlucke.

Der infantile Größenwahn
bei Kleinkindern kommt meist gut an.

Fast allen Eltern gut bekannt,
gilt er als irgendwie charmant.

Ich glaube fast, der kleine Racker
wusste das, schmiss sich drum so wacker

als Schauspieler in die famose
theatralische Herrscherpose.

Die beste Ehefrau von allen
fand an dem Schauspiel auch Gefallen.

Sie wuschelte sein Haar ein wenig
und sprach „Lang lebe unser König!“

Trio infernale

Denk ich zurück, find‘ ich es putzig.
Zugleich: Ziemlich erschrocken stutz ich

seh‘ vor mir manchen alten Knacker,
der heutzutag‘ als großer Macker

auftritt, und – Gott sei es geklagt –
durch Größenwahn uns alle plagt.

Ein Größenwahn, ganz ohne Charme
und leider überhaupt nicht harm-

los, wie bei Kindern oder Jecken,
wenn die in Königskleidern stecken.

Drei ziemlich schaurige Gestalten,
die sich selbst für die Größten halten,

teilen die Welt zurzeit in Sphären,
die sich ihrem autoritären

Machtanspruch ängstlich beugen sollen,
mit dem sie alles überrollen.

Ich mein‘ dieses katastrophale
leicht greise Trio infernale:

In China, Russland und den Staaten
regieren die Gerontokraten.

Trump (79)

Der Ami, seinen Namen spare
ich mir, ist 79 Jahre.

Der könnte doch im Lehnstuhl liegen
und seine Enkel sachte wiegen,

von mir aus auch Kreuzfahrten machen,
halt irgendwelche Opa-Sachen,

besessen sein als Blutdruckmesser …
Das wäre für die Welt doch besser

als, dass ein egomaner Alter
hochgejazzt wird zum Weltgestalter.

Doch leider: Auch sein Alter schreckt
den Mann nicht ab von dem Projekt:

Die USA baut er ganz stur
um in Richtung von Diktatur.

Vielfalt kann er ganz schlecht ertragen.
Nur „Weiß“ hat jetzt wieder das Sagen.

‚Amerika wird wieder groß‘,
meint er, wenn man nur endlich bloß

die Linken und die Immigranten
rausschmeißt. Er schickt die sogenannten

„Grenzschützer“. Aber die entpuppen
sich als brutale Schlägertruppen.

Was mich als Paffen so entsetzt:
Der MAGA-Wahn ist gut vernetzt

mit evangelikalen Christen.
Die krabbeln dort aus ihren Kisten

und feiern diesen Egomanen.
Sie segnen ihn und sprechen „Amen“.

Wie können, frag ich fassungslos,
denn Christinnen und Christen bloß

diesen Charakter so verehren.
ihn fast zum Heilsbringer verklären?

Xi (72)

72 ist der Chinese,
wie ich bei ChatGPT lese,

der Xi Jinping.
Sein großes Ding

ist die KI-basierte, volle,
totale Sozial-Kontrolle.

Anderthalb-Milliarden Chinesen
was die tun, denken oder lesen,

das wird erfasst und wird erschnüffelt.
Und wer nicht passt, der wird gerüffelt

wird isoliert, zurechtgebogen
ideologisch umerzogen,

wird ohne Prozess inhaftiert
im Lager, bis er es kapiert.
oder am Ende dort krepiert.

Chinesen gibt es ziemlich viele
Herr Ji jedoch steckt seine Ziele

viel weiter. Wirtschaftliche Power
soll Schritt für Schritt und dann auf Dauer,

ihn zu so großem Einfluss führen
als würde er die Welt regieren.

Putin (73)

Mit seinen 73 Lenzen
kann Putin dagegen nicht glänzen

durch ökonomisches Gewicht.
Darum verlässt er sich ganz schlicht

auf Militär, Soldatenhorden,
auf Kriegsverbrechen und aufs Morden.

Die Sowjetunion implodierte
so neunzehn-neunzig. Und das führte

bei Putin zu ganz großem Frust.
Phantomschmerzen nach Macht-Verlust.

Für seine Großmachtphantasien
lässt er sein Heer in Kriege ziehen,

lässt es mit Drohnen und Raketen
das Völkerrecht mit Füßen treten.

Erschütternd ist, hört man die Zahlen
von Menschen die dem imperialen

Größenwahn schon zum Opfer fielen,
Ukrainer, Russen. Menschen spielen

in Putins Großmachtphantasie
keinerlei Rolle. Empathie

und Mitmenschlichkeit fehlen halt
wenn einer nur setzt auf Gewalt.

Wobei: Der Herr ist recht sensibel!
Humor nimmt er gewaltig übel,

wenn einer ihn zum Ziel mal macht
für Spott und über ihn laut lacht.

Nawalny

Nawalny trieb das auf die Spitze,
hat provoziert mit frechem Witze,

macht damit allen Leuten klar,
was für kümmerlicher Zar

das Land regiert, ein Kleptokrat,
der nur sich selbst im Sinne hat.

Ich brächte euch hier gerne näher
diesen famosen Europäer.

Für Mut, Fantasie, Widerstand
wird er verehrt, ist er bekannt.

Hat sich vor Putin nie gebeugt.
Er war tief davon überzeugt,

dass man autoritäre Macht
bekämpft, indem man sie verlacht.

Nawalny hat dafür zuletzt
sogar sein Leben eingesetzt.

Nach diesem Mord glaubt Putin glatt,
dass er jetzt endlich Ruhe hat

vor Narren, die ihn schrecklich nerven,
weil sie ihn öffentlich bewerfen

mit Spott als kleinen Geist, der halt
nichts kennt als nur Angst und Gewalt.

Die Story vom Menschensohn

Man liest das in der Bibel schon:
Die Story von dem Menschensohn,

der von Liebe und Freiheit predigt.
Sie meinten auch, er wär‘ erledigt

und ausgemerzt am Kreuz, das steht
auf Golgatha. Jedoch es geht

die Story weiter. Manche seh’n
den Menschen-Sohn bald aufersteh’n

im Sonnenglanz am Ostermorgen.
Drum, Dunkelmänner: Macht euch Sorgen!

Ihr mögt euch sicher fühlen …, bloß
Ihr werdet niemals wieder los

den Geist, der von der Macht des Bösen
und von der Angst uns wird erlösen,

der uns zum freien Menschen macht,
der weinen kann und trotzdem lacht.

Rosenmontag in Düsseldorf

Bei Putin bleibt’s gleich wie zuvor.
Er fürchtet nichts so wie Humor.

In Düsseldorf trinkt man gerne Alt
und feiert Fasching, dass es knallt.

Die Narren dort sind recht frech drauf.
Das stößt Herrn Putin mächtig auf.

Speziell die Rosenmontags-Wagen
liegen ihm mächtig schwer im Magen.

Man zeigt dort beim Narr‘ndefilee
Karikatur`n aus Pappmaschee.

Putin mit Händen voller Blut.
Das trifft ihn doch im Grund ganz gut.

Ein andermal sah man beim Feiern
drei alte Herrn mit riesen Eiern

breitbeinig auf dem Faschingswagen.
Jedoch – Wie soll ich das jetzt sagen? –

davor sah man, ganz ohne Schutz,
den putzig-kleinen Schniedelwutz.

Jaques Tilly heißt der gute Mann
der das so frech gestalten kann,

dass die Jecken begeistert tosen
wie sonst nur bei den Toten Hosen.

Was Tilly macht, ist großes Kino.
Am Rhein liebt man ihn wie Campino.

Ich gönn dem Mann ´ne hohe Gage.
Jedoch den Putin bringt’s in Rage.

Humor versetzt ihn voll in Stress.
Jetzt macht er Tilly den Prozess.

In Moskau wird - man glaubt´s fast nicht – 
verhandelt vor einem Gericht

im alten Stil des KGB
gegen Humor und Pappmaschee.

Zurzeit, erklärt Jaques Tilly weise,
plane er keine Russland-Reise.

Für Majestätsbeleidigung
gäb‘s dort wohl kaum Verteidigung.

Mensch Leute, über solche Sachen
muss man doch wirklich wiehernd lachen.

Gott lacht

Als Pfaffe will ich mich nicht scheuen
hier noch was Frommes einzustreuen.

Humor hat, glaub‘ ich nämlich, schon
auch religiöse Dimension.

Glaubst du das nicht,
zeig ich dir schlicht

´nen Fund aus der Heiligen Schrift
der Gott und das Lachen betrifft.

Hört zu, ich bin jetzt mal so frei
und zitiere aus Psalm 2.

Nicht wie gewohnt im Luther-Sound
sondern gereimt und gut gelaunt.

„Auf Erden ist dies grad‘ im Lauf:
die Könige lehnen sich auf

und Fürsten wollen sich vereinen
gegen den Herrn und gegen seinen

Messias. Doch nehmt euch in Acht!
Denn, der im Himmel wohnt, er lacht.

Dem, was sie treiben, gilt sein Spott.
Seht, staunt und glaubt es! So ist Gott.“

Soweit das Wort aus Psalm 2
im Reim verdolmetscht – etwas frei.

Für meine Predigt ist dies Motto
so etwas wie die Sechs im Lotto.

Denn jetzt ist endgültig geklärt:
Wer meint, Gott lacht nicht, liegt verkehrt.

Ohne Humor sind andere Götter
vielleicht. Der unsre ist ein Spötter.

Und sein Humor ist klug und tief,
und er ist ziemlich subversiv.

Er lacht nämlich nicht, um die unten
noch weiter in den Dreck zu tunken.

Er lacht und überzieht mit Witzen,
die meinen, sie könnten besitzen

totale Macht in voller Gänze.
Denen setzt er mit Spott die Grenze.

Drum kann ich feierlich verkünden:
Aus hochtheologischen Gründen

ist, was umstritten war zuvor,
jetzt endlich klar: Gott hat Humor.

Derblecken

Weshalb ich halt recht sicher bin.
Es ist auch in des Höchsten Sinn

dass wir überall hier in Bayern
den Fasching hingebungsvoll feiern,

dass wir die Oberen gern necken,
und Freude haben am Derblecken.

Wenn wir sie aussetzen den Scherzen
wenn sie dann lachen, auch mit Schmerzen,

dann lernen sie – und das ist gut –
Bescheidenheit und auch Demut.

Veitshöchheim

Ist ein Politiker mehr spröder
oder so taff wie Markus Söder

oder – im Stil mehr femininer –
wie etwa Schulzens Katharina

Es geht die Politiker*in
auf jeden Fall zum Fasching hin.

Sie müssen mehrmals oft im Laufe
des Jahrs durch die Faschingstaufe.

Zunächst einmal auf jeden Fall
beim Veitshöchheimer Karneval

Dort steh’n in voll besetzter Hütte
fränkische Narren in der Bütte

und zieh‘n – bisweilen ziemlich schlau –
die Mächtigen durch den Kakao.

Manch Kracher wird noch von Waltraud
und vom Mariechen rausgehaut.

Die in der ersten Reihe sitzen,
und dort in Faschingsmasken schwitzen,

müssen das Schauspiel stumm ertragen,
auch wenn’s weh tat, sich nicht beklagen,

und sich zuletzt herzlich bedanken
für Spott und Schabernack aus Franken.

Nockherberg

Ein bisschen später, weiter südlich
macht man sich´s bei Starkbier gemütlich.

Auch dort sitzt Bayerns Imperator
in erster Reihe beim Salvator.

Das Beste, was das Land kann bieten,
die Crème de la Crème der Eliten

sammelt sich im Paulaner-Keller
Voll Bammel schlagen Herzen schneller.

Man hält die Maß, hofft, dass der Spaß
einem nicht reingeht gar zu nass.

Und reißt es dich auch fast vom Hocker,
am Nockherberg musst du dir locker

ganz schnell ein bisschen Luft zufächeln
und dann trotz aller Schmerzen lächeln.

Der Promi weiß doch ganz genau:
Sein Minenspiel sieht im TV

ganz Bayern live in Großaufnahme.
Da wäre es keine Reklame,

ist die Visage eingeschnappt,
wird säuerlich der Blick ertappt.

Ein Hoch auf die Satire

Ich glaube, diese Faschingskur
ist gegen Drift zur Diktatur

ein hochwirksames Gegengift.
Ja, unser Staats-Schifflein, das schifft

zurzeit durch stürmische Gewässer.
Ich glaube fest, es schifft sich besser

wenn das Personal auf der Brücke
damit es nicht zu weit entrücke

sich für alternativlos hält,
jährlich in ´nen Kakaotopf fällt,

und dort mit Scherzen und Elogen
wird fachmännisch hindurchgezogen.

Satire ist im Fleisch der Macht
der Stachel, der darüber wacht,

dass niemand unangreifbar ist
und jegliche Demut vergisst.

Das Lachen macht die Großen klein.
Und das ist gut. So muss es sein.

Was haben wir in Bayern nur
für ein Glück! Bei uns ist´s Kultur

die Oberen sanft zu verspotten
für ihre Fehler und Marotten.

Kritiker werden nicht erschossen,
sondern Satire wird genossen

als Kunstform. Sie ist für das Land
absolut systemrelevant.

Ich bin gewiss, Demokratie
würde verkümmern ohne sie.

Es ist von allgemeinem Nutzen
den Größenwahn jährlich zu stutzen.

Und es macht außerdem noch Freude.
Auch dort im himmlischen Gebäude

hört man vom höchsten Weltenwächter
bisweilen schallendes Gelächter.

Mal klingt‘s wohl liebevoll, mal zornig.
Oft ist`s auf Erden auch sehr dornig.

In jedem Fall treibt unser Gott
mit uns Menschlein gern seinen Spott.

Ich glaube ja, es wär` der Hit,
wir lachen mit ihm herzlich mit.

Abschluss

Gewöhnlich schließt den Predigtrahmen
das laute, gemeinsamen Amen.

Statt Amen rufen wir – Genau! –
zum Schluss heute kräftig …

Coda: Der König vom Ammersee

Die Narretei kam grad zum Schluss.
Ich hoffe, sie war ein Genuss

und nicht ermüdend. Falls der Christ
neben dir eingeschlafen ist

in mollig warmen Decken
dann kannst du ihn jetzt wecken.

Ich schäme mich jetzt fast ein wenig
für den Auftritt als Narrenkönig,

für Sprüche mit der große Klappe.
Drum setze die blaue Kappe,

das Zeichen meiner Königswürde,
jetzt ab. Sie ist auch eine Bürde,

ein Anspruch und auch eine Last
die zu mir letztlich gar nicht passt.

Und den König vom Ammersee
den echten, gibt’s, wenn ich recht seh‘,

doch eh schon. Seine Eminenz
regiert mit größter Kompetenz.

Wollt ihr diesen König mal seh’n,
dann müsst ihr nicht zur Kirche geh’n.

Und auch im Rathaus wohnt er nicht.
Demokratie ist eher schlicht.

In Herrsching gibt´s auf jeden Fall
´nen König nur beim Volleyball.

Denn dort, so hört man, läufts´s nicht ohne
den König als Stimmungskanone.

Beim „geilsten Club der Welt“ – mal ehrlich –
ist er zum Glück auch nicht gefährlich.

Ich lege meine Krone nieder.
Kein König mehr! Nein, ich werd‘ wieder

ganz bieder was ich war zuvor:
einfach ein schlichter Dorfpastor.

 

 

Hier gibt es ein kleines Archiv früherer Herrschinger Narrenpredigten:

 

2024: Der Narr kriegt die Krise

 

 

Text der Predigt 2024 als PDF herunterladen.

 

2023: Ohne Ende Zeitenwende

Text der Predigt 2023 als PDF herunterladen.

 

2022: Ein Narr, der sich nach Frieden sehnt

 

 

Text der Predigt 2022 als PDF herunterladen.

 

2021: Das letzte Gelächter

 

 

Text der Predigt 2021 als PDF herunterladen.